YIN UND YANG

25 Sep 2018

 

„Eine Yang-ausgeprägte Yogapraxis ist, als würde man einen Berg

erklimmen, Yin dagegen, als würde man sich tief in den Berg begeben“

 

Yin und Yang stehen nicht in Konkurrenz. Wir benötigen Beides. Sind Yin

und Yang ausbalanciert, so ist der Mensch ausgeglichen und entspannt. Yin

und Yang sind sich ergänzende Kräfte. Während Yin-Merkmale kühl, nass,

langsam, weiblich und ruhig sind, sind Yang-Merkmale warm, trocken,

schnell, maskulin, extrovertiert also genau das Gegenteil.

Yin Yoga steht also nicht in Konkurrenz zu den anderen dynamischen

Yogastilen, die sehr Yang-lastig sind. Im Gegenteil! Yin und Yang bilden

eine Einheit. Yang ist die männliche Kraft, die unseren Muskeln zugeordnet

ist, die - so wie unser Alltag auch - mit viel Bewegung verbunden werden.

Yin steht für die weibliche Energie, die uns zur Ruhe kommen lässt und

eher mit unseren Knochen und Gelenken in Verbindung gebracht wird. Das

eine kann nicht ohne das andere existieren. Während wir im dynamischen

Yogastil den Fokus auf die Muskulatur setzen und eher aktiv sind, liegt der

Fokus im Yin Yoga mehr auf der Passivität.

 

Yang

Im dynamischen Vinyasa-Yoga setzen wir den Fokus auf die Muskulatur und

sind eher aktiv. So wie im Alltag auch. Unser Alltag ist immer noch viel zu

stark vom Yang - dem starken Gegenpol des Yin - geprägt, also von Stress,

Hektik und Druck, was uns auf Dauer krank machen kann. Da wir uns in

diesem Dauerstress wie in einem Hamsterrad drehen, wird meiner

Erfahrung nach erst eine Yang-orientierte Praxis benötigt, um überhaupt

erst einmal aus dem Kopf in den Körper zu gelangen. Eine Yang-orientierte

Praxis hilft uns aber auch, uns bewusst mit der pulsierenden

Lebensenergie – dem Prana – zu verbinden, und lehrt uns, bewusster mit

den Höhen und Tiefen im Alltag, dem stetigen Wellengang, umzugehen.

Wir entwickeln Willenskraft, Mut und Vertrauen, uns diesem Wellengang zu

stellen. Meine Yogalehrerin sagte: Yoga ist wie surfen, versuche nicht

unterzugehen, sondern auf den Wellen zu reiten! Oder, wie am Anfang

erwähnt, eine Yang-orientierte Praxis hilft uns, den Berg zu besteigen resp.

zu bewältigen.

 

Yin

Im Yin-Yoga sind wir eher passiv. Der Fokus liegt hierbei auf den tieferen

Schichten des Körpers wie Bindegewebe und Faszien. Es ist eine meditative

Annäherung an unser Innenleben (also sich in den Berg begeben).

Man gibt sich ganz seinen Emotionen hin, wodurch man viel über sich selbst

lernen kann. Diese Praxis lehrt uns, gewisse Situationen einfach einmal auszuhalten

und nicht aktiv zu sein und etwas verändern zu wollen, sondern die Dinge

einfach mal geschehen zu lassen und quasi als passiver Beobachter dabei zu sein.

Dadurch erfahren wir eine Entleerung des Gedankenapparats und lernen, die Dinge,

die wir nicht ändern können, so sein zu lassen wie sie sind und uns zu entspannen.

Da die Reize beim langen Halten stärker werden geht bei so manchem

Teilnehmer mit der Zeit das "Kopfkino" los und man erfährt plötzlich

verschiedene Emotionen wie Wut, Ärger, Trauer, Verzweiflung. Genau dieser Teil des

Yin Yoga lehrt uns, bestimmte Situationen unseres Lebens

besser auszuhalten und mit ihnen besser umzugehen, so dass wir weniger

schnell aus dem emotionalen Gleichgewicht gebracht werden.

 

Ich selbst liebe den Fluss einer aktivierenden Vinyasa-Flow-Stunde. Es hilft

mir sehr, meine Muster im Alltag zu verstehen. Durch meinen Büroalltag

bin ich ein sehr kopflastiger Mensch und es fällt mir oft schwer, meine

Gedanken loszulassen. Im Vinyasa-Flow fand ich ein wunderbares

Werkzeug, einen Weg aus dem Kopf in meinen Körper zu finden und Mut,

Willenskraft und Vertrauen aufzubauen, um den täglichen Situation zu

begegnen.

 

Als ich vor Jahren aber einen Autounfall hatte, war es für mich schwierig,

immer in Bewegung zu sein. Ich hatte das Gefühl, gar keinen Boden mehr

unter den Füssen zu haben und merkte, jetzt brauche ich die Stille und

Standfestigkeit, wo mir das Yin-Yoga sehr half, meinen Emotionen zu

begegnen, sie anzunehmen und so wieder Boden unter den Füssen bekam.

Vor allem wurde mir hier auch bewusst, wie schwer es ist, die Kontrolle

abzugeben, zu vertrauen und anzunehmen, was nicht geändert werden

kann.

 

Heute liebe ich es, mich zwischen Yin und Yang zu bewegen, auf meinen

Körper und meine Emotionen zu hören und die Freiheit zu haben, zu

wählen, was mir gut tut und mehr und mehr zu verstehen, wann es Mut

braucht, gewissen Situationen zu begegnen und zu bewältigen und wann

es Hingabe und Gelassenheit benötigt, die Dinge anzunehmen, wie sie

sind.

 

 

Um auch Euch mehr Balance und Gleichgewicht zu offerieren, haben wir

beschlossen, in der Yogawerkstatt unser Yogaangebot zu erweitern und

einen Ausgleich zwischen Yin und Yang anzubieten, so dass auch Ihr den

stetigen Wellengang im Alltag besser begegnen und auf den Wellen reiten

könnt! Ab Oktober bieten wir Euch die Möglichkeit zu wählen, ob ihr den

Berg erklimmen oder Euch tief in den Berg begeben wollt!

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